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INNOVATIVE POSITIONIERUNGSKONZEPTE IN DER DEKUBITUSPROPHYLAXE UND WUNDBEHANDLUNG

Autorin: Claudia Stork

1. Vermeidung punktueller Druckeinwirkung

Die Pflege und Versorgung von Dekubitus gefährdeten oder betroffenen Patienten stellt an die Pflegefachkräfte hohe Anforderungen. Sobald ein Mensch nicht in der Lage ist seine Körperposition selbstständig zu ändern, erhöht sich das Dekubitusrisiko potentiell. Als Grundregel für jede Position gilt: lang andauernde Immobilisation und punktuelle Druckeinwirkung auf das Hautgewebe und insbesondere auf Knochenvorsprünge sind zu vermeiden. Daher sollte bei allen Personen mit Dekubitusrisiko oder einem Dekubitus individuelle Positionsänderungen durchgeführt werden. In Einzelfällen, beispielsweise nach Operationen, muss geprüft werden ob Positionsänderungen kontraindiziert sind. In den Aktualisierungen der Expertenstandards zur Dekubitusprophylaxe, Pflege von chronischen Wunden sowie der Internationalen Leitlinie der NPUAP/EPUAP zur Prävention und Behandlung von Dekubitus wird auf diese Thematik sehr viel ausführlicher eingegangen, als in den Versionen davor. Da das Risiko für Druckgeschwüre gerade bei Patienten mit chronischen Wunden sehr hoch ist, stellt sich die Frage, wie diese unerwünschten Folgen vermieden werden können. Eine effektive Prophylaxe schließt ein durchdachtes Positionierungskonzept bei der „Lagerung“ der Patienten unbedingt mit ein. In der professionellen Pflege ist der Begriff „Lagerung“ veraltet. Aktuelle Literaturquellen verwenden daher den Begriff Positionsveränderung oder Positionsunterstützung, im Folgenden PU genannt.

2. Bewegungs- und Positionsanforderungen

Die Einschätzung des Dekubitusrisikos basiert auf vielen Faktoren. Die Erhebung des Mobilitätsgrades ist dabei ein zentraler Baustein. Bewertet wird die Fähigkeit zur Aktivität und Mobilität. Bei der Aktivität wird das Ausmaß, in dem sich der Betroffene von einem Ort zum anderen bewegen kann beurteilt. Die Mobilität beurteilt die Fähigkeit, inwieweit der betroffene selbstständig eine wirksame Positionsveränderung durchführen kann.

Aktivität

  • Unterstützungsbedarf von Gehhilfen oder dem Bedarf an personeller Unterstützung beim Gehen
  • Unterstützung beim Transfer, z. B. vom Bett in den Stuhl
  • Unterstützung im Rollstuhl oder anderen Hilfsmitteln bei der Fortbewegung im Raum

Mobilität

  • Personeller Unterstützungsbedarf bei den Lagewechseln im Bett
  • Kaum oder keine Kontrolle über die Körperposition im Sitzen oder Liegen
  • Unfähigkeit selbständig kleine Positionsveränderungen im Liegen oder Sitzen vorzunehmen
  • Länger dauernde Operationen und daraus resultierende Lagerungsvorhaben (Ruhigstellung)

3. Grundsätze der Positionsänderungen

Positionsänderungen sind so durchzuführen, dass Druck vermindert oder neu verteilt wird. Ein nicht wegdrückbares Erythem auf Knochenvorsprüngen ist ein Hinweis auf die frühen Anzeichen eines Dekubitus. Eine Freilagerung des Areals ist erforderlich, da der Druck und/oder die Scherkräfte die Blutzufuhr zur Haut blockieren und zu einem schwereren Dekubitus führen kann. Das Ziel: Vergrößerung der Auflagefläche!

Positionsunterstützung im Bett

Zu verwenden ist die 30–40° Seitenlagerung oder die Bauchlage, wenn der Betroffene dies toleriert und der medizinische Zustand es erlaubt. Angehörige und Betroffene sind anzuleiten selbst umzulagern, sofern keine Kontraindikation vorliegt. Kontraindiziert sind gemäß Expertenstandard Körperhaltungen, die den Druck verstärken könnten, wie zum Beispiel die 90 °-Seitenlage oder die halb liegende Position.

Die Neigung des Kopfteils des Bettes ist bei einer bettlägerigen Person auf 30 ° zu beschränken. Ausgenommen ist dies bei der Nahrungszufuhr oder Ausscheidung. Hier lässt sich eine krumme Haltung, die Druck oder Scherkräfte auf das Sacrum und das Steißbein ausüben mittels kleiner Unterstützung, z. B. Mikrolagerungskissen, im Bereich des linken und rechten Schulterblattes vermeiden.

4. Festlegung der primären Zielsetzung

Nicht immer steht die Dekubitusprophylaxe an erster Stelle. Vielmehr befindet sich die Pflegefachkraft im Spannungsfeld zwischen den unterschiedlichsten Anforderungen und muss entscheiden welche Form der Positionierung erforderlich ist, um das primär festgelegte Ziel zu erreichen.

Schmerzlinderung 

  • Art des Schmerzes / der Ursache
  • Ruhe oder Belastungsschmerz
  • Schmerzintensität
  • Schmerzdauer

Wundbehandlung

  • Keine punktuellen Drücke auf das Wundgebiet
  • Freilagerung vor Weichlagerung

5. Ergebnisse

Positionierungshilfen in der Wundbehandlung unterstützen und fördern eine individuelle Versorgung. Ihre Einsatzgebiete sind vielseitig und richten sich nach dem vorrangigen Einsatz- und Therapieziel. Effiziente Positionierungshilfen sollten folgende Eigenschaften besitzen:

  • Benutzerfreundlich, geräuscharm, gute Kombinationseigenschaften; einfach zu handhaben
  • Hautfreundlich, druckentlastend, bequem
  • Feuchtigkeitsableitend und Luftzirkulation gewährleistender atmungsaktiver Bezug
  • Hygienische Anforderungen – desinfizierbar
  • Wirtschaftlichkeit, günstige Anschaffungspreise
  • Lange Lebensdauer und hohe Haltbarkeit

6. Schlussfolgerung

Noch immer werden Hilfsmittel eingesetzt, die nach neuestem wissenschaftlichen Stand weder eine Wunde aktiv unterstützen noch zur Vermeidung von Dekubitusulcera geeignet sind. Ihre Kontraindikationen sind wissenschaftlich belegt und zu finden sowohl im Expertenstandard chronische Wunden, als auch in dem zur Dekubitusprophylaxe. Dazu gehören Lagerungsringe, Felle, Watteverbände, Wassermatratzen, Wasserhandschuhe, Hydrokolloidpflaster, synthetische Schaffelle. Die Wirkweise moderner Viskomatratzen und die Grenzen von Wechseldrucksystemen sollte ebenso bekannt sein, wie moderne Positionierungskonzepte und Materialien. So sollte der Fersenfreilagerung besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Leitlinien zur Positionierung helfen, eine strukturierte und professionelle Prophylaxe zu betreiben und Kosten nachhaltig zu reduzieren. Die Hälfte der Behandlungs- kosten für einen Dekubitus lässt sich durch standardisierte Prophylaxe und optimierte Therapien einsparen. Vorausgesetzt, die Mitarbeiter sind proaktiv in die Umsetzung eingebunden und gut geschult:

  • Das Angebot an Hilfsmitteln muss bekannt sein
  • Zum Einsatz und Wirkungsweise der Hilfsmittel muss fachliches Know-how bestehen
  • Auswahl geeigneter Hilfsmittel und Prophylaxe-Matratzen erfolgt durch Fachpersonal
  • Regelmäßige Schulungen von Bewegungskonzepten
  • Rückenschonendes Bewegen von Patienten durch Bewegungskonzepte wie Kinästhetik, Bobath, Activitas, etc.

Ihre Ansprechpartner

Gerne unterstützen wir Sie bei all Ihren Fragen und Anliegen in der Dekubitusprophylaxe und Wundbehandlung. Für Schulungstermine und Workshops Ihrer Mitarbeiter sowie spezifische Fragen rund um das Thema Pflege und den Expertenstandard können Sie sich direkt mit der Autorin und Gesundheitsmanagerin Claudia Stork in Verbindung setzen. Für individuelle Optimierungskonzepte, beispielsweise zu Kostensenkung durch reduzierten Einsatz von Wechseldrucksystemen, stehen Ihnen unsere regionalen Vertriebsleiter zur Verfügung.

Die Autorin

Claudia Stork, Jahrgang 1966, arbeitet seit 2006 freiberuflich als Dozentin, Autorin und Fachexpertin im Bereich Kinästhetik, Bewegen auf Therapiesystemen, Wund- und Dekubitusmanagement, Adipositas und Hilfsmittelversorgung. 20 Jahre prägte sie als Leitung der innerbetrieblichen Fortund Weiterbildung und Qualitätsmanagementbeauftragte die Qualitätssicherung mit dem Schwerpunkt Dekubitus-, Schmerz- und Wundmanagement in einer Klinik der Maximalversorgung.

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